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Handy & Smartphone

Smartphone-Tarife und mobiles Internet in den USA

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Jedes Mal wenn ich mich außerhalb von Deutschland bewege ist so ziemlich das erste, worüber ich nachdenke, der Handy- bzw. Smartphone-Tarif. Meistens geht es mir allerdings nicht um Minuten, um irgendwelche Gespräche zu führen oder SMS, sondern um einen passenden Datentarif. Sicher könnte man, wenn man im Ausland ist, sich auch mit dem Hotel-WLAN oder dem WiFi in Fastfood-Ketten oder Cafés begnügen. Darum soll es hier aber nicht gehen.

In Deutschland gibt es für mobiles Internet ja eine relativ große Auswahl an verschiedenen Anbietern, die sich auf vier verschiedene Handynetze verteilen. Von den Netzbetreibern selbst, über große Anbieter wie 1&1 ohne eigenes Netz, bis hin zu kleinen Discountanbietern ist so ziemlich alles zu finden. Wer allerdings das beste Netz oder höhere Geschwindigkeit mit LTE nutzen möchte, muss sehr bis sehr, sehr tief in die Tasche greifen.

In den USA ist das mit den Tarifen in vielerlei Hinsicht ähnlich, aber in manchen Punkten muss man dann doch noch ein paar Unterschiede beachten. Erst einmal ist es dort nämlich eine sehr seltene Angelegenheit, dass man mit einem Smartphone unterwegs ist, das nicht von einem Netzbetreiber bzw. Anbieter stammt. So ziemlich alle Anbieter verkaufen ihre Verträge NUR mit einem neuen, und natürlich vermeintlich deutlich preiswerteren, Smartphone. Das bedeutet das ganze Programm von Netlock über SIM-Lock bis hin zu vorinstallierten und nicht entfernbaren Apps. Deswegen ist ein durchschnittlicher US-Amerikaner auch ziemlich entsetzt, wenn er hört, dass das iPhone 6 in der freien „unlocked“-Version eigentlich mindestens 650 US-Dollar, statt der 199,90 US-Dollar mit Vertrag, kostet.

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In den USA gibt es vier verschiedene, große Netzbetreiber und Handynetze. AT&T, Verizon, Sprint und T-Mobile sind die vier, die den Markt dominieren und jeweils große Teile des Landes mit ihren Netzen abdecken. Es gibt auch noch kleinere regionale Anbieter, die jeweils nur einen einzigen oder ein paar Bundesstaaten abdecken. Diese Anbieter möchte ich aber in diesem Artikel außen vor lassen, um Informationen anzubieten, mit denen man in nahezu jedem Bundesstaat der USA zu einem Smartphone- bzw. Handy-Tarif kommt.

GSM und CDMA – Warum für Europäer in den USA nur zwei Netze zur Wahl stehen

Als ich also auf der Suche nach einem passenden Tarif für mein Google Nexus 5 war, welches ich in Deutschland im Google Play Store gekauft hatte, musste ich nach einiger Zeit und verschiedenen Telefonaten feststellen, dass ich wohl nur die Wahl zwischen zwei Handynetzen haben würde: AT&T und T-Mobile. Bei Sprint teilte man mir am Telefon mit, dass man überhaupt keine SIM-Karten anbiete. Bei Verizon sah es ganz ähnlich aus. Das hat allerdings auch einen entscheidenden Grund: sowohl Verizon als auch Sprint nutzen nicht den GSM- sondern den CDMA-Netzstandard, welcher von den meisten, wenn nicht sogar allen, in Europa vertriebenen Smartphones und normalen Handys nicht unterstützt wird. Warum das so ist? Als die ersten Mobiltelefone aufkamen und auch die Netze entsprechend ausgebaut wurden, beschlossen die europäischen Netzanbieter der ersten Stunde einen gemeinsamen Netzstandard namens GSM zu entwickeln. Dieser wird heutzutage von allen Anbietern in Europa und den meisten Netzbetreibern in anderen Ländern der Welt verwendet. Allerdings entwickelte Qualcomm, in den 80ern ein großer Player in der Mobilfunkbranche, in Nordamerika einen eigenen Mobilfunkstandard, CDMA genannt. Diesen verwenden heutzutage, neben Sprint und Verizon in den USA, auch noch ein paar andere Netzbetreiber in Australien, Kanada, Indien und Brasilien. GSM-Geräte unterstützen keine Frequenzen die von CDMA genutzt werden; mit CDMA-Geräten ist es entsprechend umgekehrt.

Weitere Informationen zum Thema GSM und CDMA:

CDMA vs. GSM – Was ist der Unterschied? – PCMag.com (auf Englisch)

CDMA-iPhone: Was ist CDMA und wem nützt es – MacLife.de

Nachdem mir also bewusst geworden war, dass ich nur GSM-Netze nutzen kann, war der nächste Schritt die Suche nach Tarifen bei AT&T und T-Mobile.

AT&T – Das wahrscheinlich am besten ausgebaute Netz, aber auch entsprechend teurer

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AT&T ist eigenen Angaben zufolge mit mehr als 110 Millionen Mobilfunk-Kunden der größte Mobilfunkanbieter der USA. Der Konzern mit Sitz im texanischen Dallas bietet neben Mobilfunk auch DSL bzw. Kabel-Internet und Kabel-Fernsehen an. Genauso wie alle anderen Netzbetreiber in den USA und auch wie die Netzbetreiber bei uns in Deutschland, möchte AT&T seine Kunden natürlich langfristig mit möglichst teuren Verträgen binden. Entsprechend günstig erscheinen dabei bekanntlicherweise dann die im Preis enthaltenen Smartphones. Die Tarifstruktur von AT&T ist sehr auf Familien ausgerichtet. Die Vertragstarife bei AT&T beginnen bei 65 Dollar für die erste und die zweite Nummer („line“) und ab drei Nummern kostet jede weitere Nummer nur noch 15$. Dieses Vertragsprinzip, welches sich vor allem an Familien richtet, wurde vor etwa einem Jahr bei AT&T, Verizon und Sprint quasi gleichzeitig eingeführt.

Bei AT&T nennt sich das Ganze AT&T MobileShare Value. Jede Familie oder Gruppe von Freunden hat dabei ein gemeinsames Datenvolumen und kann dieses unter allen Teilnehmern aufteilen. Gesprächsminuten und SMS sind für alle Teilnehmer unbegrenzt. Solch ein Vertrag lohnt sich aber natürlich nur wenig, wenn man nur für ein paar Wochen, ein paar Monate oder sogar ein Jahr in den USA weilt.

Also schaute ich mich bei AT&T auf der Webseite nach einem Prepaid-Tarif um und besuchte auch einen AT&T-Store.

AT&T bietet unter dem Namen GoPhone verschiedene Prepaid-Handys- und Smartphones sowie ein paar Tarife an.

Und damit wären wir endlich dort angelangt, wo wir hinwollen. Die entsprechenden Tarife von AT&T, die es möglich machen, dass du dein Smartphone auch in den USA nutzen kannst, beginnen bei 25$ für 250 Gesprächsminuten, unlimitierten SMS in die USA und unlimitierten SMS nach Mexico und 100 weiteren Ländern wie zum Beispiel Deutschland. Dieser Tarif kommt allerdings völlig ohne ein Datenvolumen daher. Für 5 Dollar zusätzlich im Monat bekommt man mickrige 50 MB Datenvolumen. Für 40 US-Dollar gibt es 500 Minuten, unlimitierte SMS und 500 MB Datenvolumen inklusive. Wer diese 500 MB versurft hat, zahlt 5$ für jede weiteren 100 MB. Als umfangreichstes Paket bietet AT&T dann noch einen Tarif für 60 Dollar im Monat an, der 2.5 GB Datenvolumen und unbegrenzte Gesprächsminuten und SMS bietet. Zu allen Tarifen kann man für 5 Dollar im Monat 250 Minuten in 50 Länder in der Welt telefonieren.

Neben den 30-Tage-Verträgen gibt es bei AT&T auch einen Tagestarif. Für 2 Dollar pro Tag gibt es unbegrenzte Minuten und SMS, Daten werden in 5KB Schritten für jeweils 1 Cent abgerechnet.

Einen Überblick über die Netzabdeckung von AT&T gibt es auf der AT&T Coverage Map.

Wer ein sehr verlässliches und fast in den ganzen USA verfügbares Mobilfunknetz zur Verfügung haben möchte, kann sich die GoPhone-Prepaid SIM-Karte auch schon vor seinem Abflug in die USA bei Amazon oder USA Sims bestellen.

T-Mobile USA – Ein wenig preiswerter und einfacher, aber nicht überall verfügbar

T-Mobile USA StoreWusstet ihr eigentlich, dass die Deutsche Telekom, die derzeit laut Fachmedien das beste Mobilfunknetz in Deutschland bietet, auch in den USA ein Tochterunternehmen hat? Es nennt sich T- Mobile USA und unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht groß von T-Mobile in Deutschland. Der Name ist gleich, die Farben sind die selben und selbst die Werbemelodie unterscheidet sich nicht von der in Deutschland. Allerdings liegen die Unterschiede bei der US-amerikanischen Telekom-Tochter, die übrigens eigentlich im Jahr 2011 an AT&T verkauft werden sollte, im Detail.

Im Allgemeinen bietet T-Mobile USA ähnliche Tarife wie AT&T. Ein normaler Vertragstarif für eine „line“ kostet bei T-Mobile 50 Dollar. Ähnlich wie bei AT& T bietet T-Mobile aber auch einen Familientarif an, bei dem mehrere Nummern bzw. Teilnehmer das Datenvolumen teilen. Aber eigentlich habe ich ja auch bei T-Mobile nach Prepaid- oder Kurzzeittarifen gesucht und diese auch gefunden. T-Mobile bietet, genauso wie AT&T, Prepaid-Tarife an. Für 40 Dollar gibt es unbegrenztes Telefonieren und Simsen und 500 MB LTE Datenvolumen. Ein weiterer Tarif für 50 Dollar bietet das gleiche wie der 40 Dollar-Tarif aber mit 1 GB an Daten im 4G-Netz. Für 60$ gibt es 3 GB, für 70$ 5 GB und für 80 Dollar ist neben dem Telefonieren und Texten auch das Surfen unlimitiert und eine HotSpot-Funktion steht zur Verfügung. Der Tarif, den ich letztendlich allerdings gebucht habe, ist nicht so einfach zu finden. Versteckt am Ende aller Tarifoptionen lauert ein unschlagbares Angebot: es enthält 5 GB Datenvolumen, 100 Freiminuten und unbegrenzte SMS und das alles für nur 30 US-Dollar (das Angebot gilt nur, wenn man seine SIM-Karte bzw. seinen Vertrag online auf t-mobile.com aktiviert). Ein Angebot das hierzulande noch undenkbar ist.

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Einziges Manko an allen Prepaid-Tarifen von T-Mobile: die Gesprächsminuten und SMS gelten nur für die USA. Wer wie bei AT&T auch ins Ausland texten möchte, zahlt drauf. Ein Paket für Gesprächsminuten ins Festnetz von mehr als 70 Ländern kostet zusätzliche 10 Dollar im Monat.

Neben diesen Prepaid-Verträgen bietet T-Mobile auch einen „Pay-as-you-go“-Tarif ab 3 Dollar im Monat und einen „Pay-by-the-day“-Tarif ab 2 Dollar pro Tag mit unbegrenzten SMS & Minuten und 200 MB im 2G bzw. 4G-Netz an.

tmobile-prepaid

Schlussendlich hat T-Mobile allerdings einen großen Nachteil gegenüber seinen Mitbewerbern: die Netzabdeckung ist lange nicht so gut ist wie bei AT&T, Verizon oder Sprint. So muss man letztendlich danach entscheiden, wo man sich aufhält. So lange man nur in größeren Städten und Metropolregionen bleibt, kann sich der Kauf einer SIM von T-Mobile durchaus lohnen. Sollte man aber eher in ländlichen Regionen unterwegs sein, kann es schnell passieren, dass das Smartphone plötzlich im nationalen Roaming landet. Deshalb lohnt sich vorab ein Blick in die Karte mit Informationen zur Netzabdeckung.

Die Buchung der Tarife erfolgt, nachdem man seine T-Mobile USA SIM-Karte erfolgreich aktiviert hat. Eine solche SIM-Karte kann man auch schon vorab in Deutschland bei Amazon oder auch bei USA Sims bestellen

Fazit

Letztendlich sollte man nach verschiedenen Faktoren darüber entscheiden, welcher Anbieter sich am besten eignet. Das hängt schon einmal vom Standort ab, an dem man sich in den USA die meiste Zeit aufhalten wird, denn gerade die Netzabdeckung von T-Mobile lässt teilweise sehr zu wünschen übrig, wenn man nicht gerade in einer größeren Stadt ist. Wer also viel reist oder auf dem Land ist, sollte zu AT&T greifen. Wer sich zum Beispiel nur in und um New York oder San Francisco aufhält, der kann durchaus einen T-Mobile-Tarif buchen. Wer nur sehr kurze Zeit in den USA ist, sollte sich eines der Day Packs anschauen oder vielleicht ein „international“-Paket seines Mobilfunkanbieters buchen. Auch eine SIM-Karte von einem auf das Ausland spezialisierten Anbieter wäre denkbar.