1 Million Mal Facebook Home

Seit der Vorstellung von Facebook Home, dem eigenen Launcher, Sperrbildschirm und Messenger mit Chat Heads, im letzten Monat wurde die App rund 1 Million Mal heruntergeladen. Ein guter Start für das soziale Netzwerk, bedenkt man, dass der Launcher nur auf einer Handvoll Geräten verfügbar ist. Trotz der hohen Downloadzahl bekommt Home sehr viele schlechte Rezensionen. Woran liegt das?

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Zum einen liegt das wohl daran, dass Facebook Home zur Zeit noch ein sehr rudimentärer Launcher ist, der nicht viele Funktionen bietet, abgesehen von der tiefen Facebook Integration. Wer mehr als Facebook nutzt, der mag damit seine Probleme haben. Zwar gestaltet sich der Zugriff auf die anderen Apps nicht sonderlich schwer, ist aber auch nicht wirklich praktisch gelöst.

Zum anderen liegt die negative Resonanz aber auch an der Art wie Facebook Home funktioniert. Sehr schick ist es gestaltet mit seinen Chat Heads und den Vollbild-Updates auf dem Sperr- und Startscreen. Doch da auch gleich das erste Problem: Ob das Smartphone mit einem Code, Muster oder was auch immer gesichert ist, die Status-Updates und Bilder werden entweder angezeigt, was durchaus Probleme mit der Privatsphäre aufwerfen kann, oder aber das Muster bzw. die Sperre unterbricht die Facebook-Erfahrung. Das erste Problem haben andere Systeme auch, siehe iOS, wo Mitteilungen wie SMS im Sperrbildschirm angezeigt werden, so dass man einen Teil davon lesen kann.

Das dritte Problem, das sich auftut, ist eines der Nutzung. Hat man sehr viele nette Menschen und Freunde in seinem Facebook Account, die hübsche Bilder posten, wird Facebook Home eine tolle Erfahrung sein. Doch was ist, wenn jemand dauernd hässliche, peinliche, nervige usw. Bilder postet. Alle die werden im Sperr- und Startbildschirm angezeigt, ohne die Möglichkeit bestimmte Dinge auszublenden. Bisher beschränken sich die Facebook Home Einstellungen darauf, ob sowohl Sperr- als auch Startbildschirm mit den Inhalten gefüllt werden sollen, nur einer von beiden, oder keiner. Letzteres kommt einem Abschalten von Facebook Home gleich, zum Glück bleiben aber die Chat Heads. Diese kann man aber auch allein mit dem Facebook Messenger und jedem anderen Launcher, sei es Stock Android, Sense, Touchwiz, Nova, Apex etc. nutzen.

Was spricht also für Facebook Home und gegen die negativen Kritiken und Probleme?
Erstens ist Facebook Home meiner Meinung nach wirklich schick gemacht. Das schlichte Design, die Chat Heads, die Fullscreen Bilder usw., alles ist simple und schön gestaltet. Die Bedienung von Home ist äußerst einfach, besonders für Facebook-Junkies, von denen es immerhin Milliarden gibt. Mit dem Daumen lässt sich fast alles steuern, nach oben wischen öffnet die App-Übersicht, wo Favoriten abgelegt werden können, links davon sind alle Apps plus der Zugriff auf den Standard-Launcher über den Button „More/mehr“. Ein Wisch nach links auf dem Homebildschirm öffnet den Messenger, wischen nach rechts die letzte geöffnete App. Doppeltippen auf ein Bild markiert es als „like“, kommentieren kann man ebenso. Das alles ist einfach und erklärt ein weiteres Phänomen: Mit der Einführung von Facebook Home ist die Nutzung von Facebook allgemein gestiegen, aber auch die Like-Zahlen. Wenn man so schnell und einfach liken kann, tut man das auch öfter, ist hier das Motto. Das merke ich selbst mit der Nutzung von Home.

Was ich außerdem merke, sind die Möglichkeiten die Home noch bieten kann. Immerhin versprach das Facebook Team beim Launch monatliche Updates inklusive neuen Features. Am 12. Mai, also morgen, soll es übrigens soweit sein und das erste (größere) Update für Facebook Home kommt. Nebst Fehlerbehebungen sollen auch ein paar neue Features dabei sein.
T3N spricht von der Einführung eines Docks, das von Android Launchern bekannt ist und Zugriff auf meistgenutzte Apps bietet, außerdem gäbe es eine Dash-Bar, die eine Art Buddy-List für Facebook darstellen soll, um die Kommunikation mit den engsten Freunden zu erleichtern bzw. zu beschleunigen. Hier soll Facebook zudem mehr Wert auf Gestensteuerung legen. Mit einer Wischbewegung würde kurz die Buddyliste inklusive einer Anzeige der momentan aktiven Freunde, sprich die, die online sind, angezeigt. Das Dock soll übrigens auch durch eine Wischgeste von unten eingeblendet werden.
Das ist ein interessanter Punkt: Ich finde es gut, dass Facebook Ein- und Ausblenden nutzt, um Dock, Dash-Bar etc. anzuzeigen, damit bleibt nämlich die schlichte Erfahrung auf dem Homescreen, der lediglich das eigene Profilbild und die Statusupdates bzw. Status, Like- und Kommentar-Button zeigt. Denn das ist genau das, was Home so minimalistisch und simple macht.

Was mir bisher gefehlt hat, in meiner Zeit mit Facebook Home, das ich momentan intensiv auf dem Galaxy S4 nutze, auch wenn das Gerät nur „inoffiziell“ unterstützt wird (es läuft aber ohne Probleme), möchte ich hier kurz ansprechen:

Erstens fehlt mir da ein Shortcut in die Kamera-App. Ein sehr großer Prozentsatz der Zeit, die man in Facebook verbringt, dreht sich um Fotos. Viele Updates, die man selbst veröffentlicht, haben Fotos im Anhang. Da ist es mir unverständlich, dass Facebook keinen Shortcut zur Kamera in den Launcher eingebaut hat.

Zweitens wäre es fantastisch, wenn Facebook alle Mitteilungen, sei es Mails, WhatsApp, Twitter etc. im Launcher unterstützen würde. So ist es der Fall beim HTC First, dem ersten Facebook Phone, das direkt mit Home ausgeliefert wird. Würde Facebook alle Notifikationen in seinen Launcher integrieren, wäre die Erfahrung gleich doppelt so gut. Das erfordert eine ganze Menge Arbeit, kann in Zukunft aber durchaus kommen.

Drittens würde ich mir mehr Anpassungsmöglichkeiten in den Facebook Home Einstellungen wünschen. Nicht nur das Abschalten von Home, bzw. die Wahl zwischen Sperr- und Homebildschirm ist hier gefragt, sondern das Auswählen bestimmter Gruppen, bestimmter Freunde, besonderer Updates etc., so dass man seine Facebook Home Erfahrung personalisieren kann. Ich bin mir allerdings sicher, dass das soziale Netzwerk bereits daran arbeitet.

Das sind für mich die drei wichtigsten Punkte, die Facebook besonders schnell anschauen und bearbeiten sollte. Alternativen dafür zu finden und Ideen zu entwickeln, steht im Vordergrund, wenn Facebook seinen Launcher wirklich weit nach vorne bringen will, denn in meinen Augen hat Home durchaus das Potential dazu.

Ich erfreue mich schon an Facebook Home auf dem Galaxy S4, für mich wertet es das Smartphone, was sonst vom unheimlich hässlichen Touchwiz gesteuert wird, sogar auf. Die oben beschriebenen Mängel bzw. noch fehlenden Features halten mich allerdings davon ab, ganz und gar auf Home umzustellen.

Andererseits muss das gar nicht sein: Es gibt eine tolle Möglichkeit Home und andere Launcher gleichzeitig zu nutzen, und zwar indem man einfach einen Launcher wie Nova, Apex usw. als Standard wählt, Facebook Home in den Einstellungen dafür nur im Sperrbildschirm aktiviert. So hat man die Facebook Erfahrung beim Aufwecken des Smartphones, mit einem Tipp der Home-Taste (auf dem Galaxy S4) ist man aber sofort im Standard Launcher.
Leider hat auch das seine Nachteile, denn die Privatsphäre-Problematik bleibt natürlich bestehen, zudem muss man für einen nahtlosen Prozess den Sicherungscode oder das Muster im Sperrbildschirm, also das Entsichern des Smartphones, abstellen.

Ich bin gespannt, was Facebook uns mit dem Update am morgigen Tag für neue Features und Fehlerbehebungen präsentiert, aber viel mehr noch freue ich mich darauf, zu sehen, was in den nächsten Monaten noch kommt. Hält sich Facebook an die monatlichen Updates, dann könnten einige der oben angesprochenen Features schon bald Realität und Home zu einer richtigen und vollwertigen Launcher-Alternative werden, die Millionen von Facbook-Nutzern erreichen kann.

Quelle: T3N, Bild: Facebook


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