Samsung Galaxy S4 – Das Pro und Kontra Smartphone

[update]
Facebook Home ist nun auf dem Galaxy S4 verfügbar!
Die Akkulaufzeit des Galaxy S4 ist gut. Einen Tag hält das Smartphone auch bei etwas stärkerer Nutzung durch. Bei mittelmäßiger Nutzung können 1,5 Tage herausspringen.
Negatives gibt es allerdings auch zu berichten und das zu der von mir gelobten Kamera: Der Autofokus ist sehr instabil und stellt sich ständig neu ein, was häufig in unscharfen oder suboptimalen Fotos endet.
[/update]
Ich bin fleißig im Test mit Samsungs neuem Flagship Smartphone für 2013, dem Galaxy S4. Nachdem ich das S3 vor langer Zeit auch in den Händen hielt, es mir aber nicht sonderlich gefiel, war ich umso mehr gespannt auf die neue Erfahrung. Interessanterweise ist das Galaxy S4 für mich eines der besten und gleichzeitig schlimmsten Smartphones, die ich je benutzt habe. Warum? Die Antwort gibt jetzt es in der Galaxy S4 Review.

Das Gerät

Das Samsung Galaxy S4 ist, wie die meisten sicher wissen, ein 5 Zoll Smartphone mit einem Full HD 1080p Display und Samsungs AMOLED-Technik. Das resultiert in einem wirklich schönen, wenn auch mehr als natürlich farbigen Bild. Ein kleiner Haken daran ist die Helligkeit im Sonnenlicht. Gegen IPS- oder LCD-Displays wie im HTC One ist das Galaxy S4 etwas schwächer, aber annehmbar.
Im Inneren werkelt ein Qualcomm Snapdragon 600 mit 1,9 Ghz, ein Quad-Core Prozessor der neusten Art, der auf dem Papier unglaubliche Ergebnisse in Benchmarks erreicht. Der gleiche Prozessor allerdings mit 1,7 Ghz steckt im HTC One.
2 GB RAM sind im Smartphone verbaut, dazu ein interner Speicher ab 16GB. Wie immer bei Samsung ist der interne Speicher durch eine MicroSD Karte erweiterbar.
Auf der Rückseite liegt mittig die 13 Megapixel Kamera und ein LED Blitz, vorne sind es 2 Megapixel für Videochats usw.
Samsung hält sich weiter an seine Button-Anordnung. In der unteren Mitte des Bildschirms ist der Hardware-Home-Button, links ein Menü-Button, rechts die Zurück-Taste. Über die Menütaste lässt sich durch tippen und halten Google Now aufrufen, tippen und halten des Home-Buttons ruft die Multitasking-Ansicht auf. An der Unterseite des Galaxy S4 ist der Micro-USB Anschluss, oben die Kopfhörerbuchse, der Lautsprecher befindet sich auf der Rückseite.
Soviel zu den Äußerlichkeiten und Hardware-Features, die die meisten sicher kennen.
Übrigens: Das Gehäuse wird auf der Rückseite in Höhe der Kamera und sogar auf der Vorderseite sehr heiß und das bei nur mittelmäßiger Nutzung, sprich ohne 3D-Spiele oder HD-Videos.

Exif_JPEG_PICTURE

Das äußere Design

So erfolgreich Samsung auch sein mag, eines bleibt: das Plastikgehäuse. Auch das Galaxy S4 setzt komplett auf Polycarbonat. Anders als der Vorgänger umgibt den Rand des Smartphones eine silberne Leiste, der Rest ist in einem gemusterten schwarz oder weiß belassen. Der Rand hat seinen Grund. Durch ihn liegt das Smartphone etwas fester und sicherer in der Hand als der extrem glitschige Vorgänger, das S3. Dennoch bleibt auch das neue Flagship eine schmierige Angelegenheit. Nach einiger Zeit werden die Finger immer schmieriger und das Gerät scheint fast aus den Händen zu flutschen.
Das liegt übrigens nicht nur am Plastik, denn andere Hersteller wie Nokia mit dem Lumia 920 setzen auch auf Polycarbonat, dieses Smartphone ist aber wesentlich weniger glitschig. Es liegt mehr an Samsungs Hang zu äußerst glänzendem, beschichtetem Plastik.
Wer es mag oder sich nicht daran stört, der wird mit dem S4 Freude haben. Ich allerdings finde das Gefühl in den Händen nach einiger Zeit schon nahezu schrecklich.
Das Smartphone sieht etwas anders als sein Vorgänger aus. Es ist nicht größer, obwohl es einen größeren 5 Zoll Bildschirm hat. Es ist sehr dünn und leicht. Der metallisch aussehende Rand um das Gerät lässt es einen kleinen Tick hochwertiger aussehen als das S3. Die Kamera auf der Rückseite ist anders positioniert als beim Vorgänger.
Den großen Unterschied sieht man aber erst im Inneren. Wie typisch für Samsung lässt sich auch beim S4 die Rückseite abnehmen, um an die 2600mAh-Batterie, den MicroSD-Slot und den Micro Sim-Schacht heranzukommen. Die Anordnung dieser Komponenten ist grundsätzlich anders als im S3. Es ist viel mehr wie im Galaxy Note 2. Das Galaxy S4 scheint eine geschrumpfte Version des 5,5 Zoll großen Note 2 zu sein. Auch die Rundungen und Anordnung der Kameras erinnert mehr an das Note 2. Da hat sich Samsung wohl von sich selbst inspirieren lassen.

Exif_JPEG_PICTURE

Software
Das Galaxy S4 kommt mit der aktuellen Android-Version 4.2.2 daher. Das ist toll, wäre da nicht Samsungs eigene Oberfläche Touchwiz. Ich halte das ganze immer noch für einen schlechten Scherz. Ein hässlicheres Design habe ich selten gesehen. Es ist absolut kein Vergleich mit iOS, HTCs neuem Sense 5 oder Stock-Android. Die Comic-artigen Ions und die völlig überladenen Farben und Farbkombinationen, sowie Schattierungen, Gradients usw. sind einfach schrecklich. Hier wäre weniger defintiv mehr.

Screenshot_2013-05-09-11-07-16

Andererseits gibt es ja viele einfache Möglichkeiten, das Design schnell zu ändern.
Samsung hat in seinem 2013 Flagship jede Menge neue Software-Features vorgestellt. Da wären viele Smart-Features wie Smart Scroll, Smart Stay, Smart Pause. Smart Scroll lässt das Smartphone automatisch scrollen, wenn die Augen sich bewegen. Das ganze funktioniert nur in der Theorie gut. Beim Benutzen ist es eher lästig. Smart Stay ist nett. Der Bildschirm bleibt solange an, wie die Augen auf ihn gerichtet sind. Smart Pause soll Videos automatisch pausieren, wenn man wegschaut. Auch das funktioniert nicht wirklich gut. Also schnell abschalten.

Air View bietet eine Art Hover-Vorschau in einigen Apps an. Das funktioniert einigermaßen gut, z.B. kann man eine Vorschau von Fotos ansehen, von Artikeln bei Flipboard (vorinstalliert), von Videos usw. Was mich daran stört: Wenn diese Funktion genutzt werden soll, dann muss sie in allen (zumindest allen vorinstallierten) Apps funktioneren. Sonst muss man lernen, welche Apps es können und welche nicht. Die Bedienung sollte aber intuitiv sein.
Air Gestures bietet die Möglichkeit Gesten auszuführen, ohne das Smartphone zu berühren. Man kann zwischen Fotos hin- und herwischen, indem man vor dem Sensor an der Oberseite des S4 in der Luft eine Bewegung nach links oder rechts ausführt. Es funktioniert ganz gut, wirft aber die Frage auf: Wie oft benutze ich das wirklich? Ist es einfacher, als den Bildschirm zu berühren? Nein, denn die Geste muss sehr offensichtlich ausgeführt werden, damit sie überhaupt funktioniert, mit dem Finger zu streichen geht schneller. Außerdem funktioniert Air Gesture wie AirView nicht systemweit, was einfach undurchdacht ist.

Es gibt noch viele weitere Software-Features, die zum großen Teil alle dieselben Probleme haben: Entweder funktionieren sie nur teilweise, was für ein teures Flagship-Smartphone ziemlich traurig ist, es sei denn es steckt in der Testphase, oder sie funktionieren nur in bestimmten Anwendungen, was die Bedienung nicht sonderlich intuitiv macht.
Es wirkt so, als hätte Samsung alle Software-Features, die je getestet wurden, einfach schnell in das Gerät integriert, ohne sie vorher zu perfektionieren.

Nun zu einem Punkt, der auffällt: Trotz des starken Snapdragon 600 und 2 GB RAM hat das Galaxy S4 teilweise kleine Aussetzer. Ob das an meinem Gerät liegt, weiß ich nicht. Allerdings habe ich in anderen Reviews auch schon davon gehört. Allgemein reagiert das Smartphone sehr flüssig, manchmal aber hakt es. Z.B. fährt die Mitteilungsleiste oben nicht sofort beim Herunterwischen heraus, sondern hakt kurz. In Samsungs eigenem Touchwiz hält sich das noch in Grenzen, ich habe allerdings das Aussehen mit dem Nova Launcher und Icon-Packs angepasst. Nun treten vermehrt Aussetzer auf. Mein Nexus 4 hingegen läuft völlig flüssig mit derselben Anpassung. Das sollte bei einem High-End-Smartphone für 600 Euro oder mehr keinesfalls passieren.

Anpassung mit Nova Launcher
Anpassung mit Nova Launcher

Exif_JPEG_PICTURE

Kamera

Was Samsung gut gemacht hat, ist die Kamera. 13 Megapixel sind ordentlich, aber auch die Kamera-App ist übersichtlich und nicht zu überladen gestaltet. Es gibt jede Menge Modi, die man verwenden kann, um Bilder besser bzw. anders zu schießen wie einen Nacht-Modus, Portrait, Panorama, Drama etc. Hervorheben möchte ich hier den Modus Sport, mit dem man schnelle Ereignisse auch schnell mit mehreren Bildern einfangen kann. Sound & Shot lässt zum Foto ein paar Umgebungsgeräusche einfangen, was eher eine Spielerei ist, aber lustig sein kann.

Außerdem bietet Samsung ein neues Feature namens Dual Shot an. Damit ist es möglich gleichzeitig die vordere und hintere Kamera zu nutzen und so als Fotograf selbst im Bild aufzutauchen. Das ist eine interessante Idee und funktioniert zudem gut. Mit der Kamera im Galaxy S4 kann man also jede Menge Dinge ausprobieren, herumspielen und neues entdecken. Dafür ein Plus.

Die Fotoqualität ist sehr gut, besser als beim Sony Xperia Z, das ebenfalls eine 13 Megapixel Kamera hat. Samsung schafft es hier die Pixel besser einzusetzen und mit Software zu verbessern. Selbst in schlechteren Lichtverhältnissen macht das Gerät gute Aufnahmen. Mit dem Nachtmodus sind auch Bilder im Dunkeln okay, obwohl andere Smartphone wie das Lumia 920 oder das HTC One etwas besser sind. Alles in allem ist das Galaxy S4 aber eines der besten Kamera-Smartphones, die man momentan erstehen kann. Wem Fotos sehr wichtig sind, der ist gut bedient.

Bild mit dem Galaxy S4 in natürlichen Verhältnissen
Bild mit dem Galaxy S4 in natürlichen Verhältnissen

Weitere Features

Die Lautspecher des S4 sind auf der Rückseite und mono, demnach nicht sonderlich erwähnenswert, aber ausreichend für ein Smartphone. Der Klang über die mitgelieferten Kopfhörer ist sehr gut. Die Klangqualität beim Telefonieren ist wunderbar, auch wenn die Stimme teilweise etwas verändert klingt. Man hört aber alles sehr gut, sowohl auf der Sprecherseite als auch auf der Hörerseite.

Dropbox kommt vorinstalliert auf dem Galaxy S4 und interessanterweise habe ich mit dem Einrichten meines Dropbox-Kontos auf dem Gerät einen Cloud-Speicher-Bonus von ganzen 48 GB bekommen! Das ist doch mal eine nette Übereinkunft. Zwar gilt der zusätzliche Speicher „nur“ 24 Monate lang, aber immerhin.

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.54.14

Das S4 bietet natürlich alle wichtigen Verbindungen wie LTE, WLAN, Bluetooth, NFC. Es hat einen Infrarot-Bediener, mit dem man den Fernseher steuern kann. Neben den typischen Sensoren wie Licht-, Näherung, Gyroskop, Beschleunigungssensor, hat es auch noch einen Temparatur- und Feuchtigkeitssensor, ein Barometer, einen Gestensensor, einen Geomagnet, einen Hall Sensor, der für das SView Cover ist, sprich das Gerät beim Öffnen des Covers aufweckt, und zu guter Letzt einen RGB-Sensor, der die Farben im Display automatisch anpassen soll, um z.B. die Augen beim Lesen zu entspannen.

Der interne Speicher

Ihr habt es vielleicht schon gehört: Von Haus aus sind auf dem Galaxy S4 die Hälfte der 16 GB verbraucht. Für diverse Anwendungen, die Samsung vorinstalliert, für Touchwiz usw. Das ist viel, sehr viel, vor allem wenn man bedenkt, dass Apps ab Android 4 nur noch auf dem internen Speicher abgelegt werden können. Somit bleibt nicht viel Platz für Anwendungen, besonders wenn es große sind wie neuste Spiele oder ähnliches. Zumindest kann man seine Medien auf einer MicroSD-Karte ablegen. Dennoch komme ich immer wieder auf den Punkt zurück: weniger ist mehr und daran sollte Samsung ganz besonders denken. Vorinstallierte Apps wie Dropbox mögen okay sein, Flipboard muss schon nicht sein und die ganzen Samsung Apps kosten Speicherplatz. Im Grunde finde ich Stock Android völlig ausreichend, besonders seit der Version 4.2.2., die auf dem S4 ja läuft, von der aber leider kaum etwas zu merken ist.

Fazit
Warum ist das Galaxy S4 ein Pro und Kontra Smartphone?
Weil:
1. Das Gehäuse liegt besser in der Hand als der Vorgänger, ist aber immer noch extrem glitsch durch das glänzende Plastik.
2. Der interne Speicher lässt sich erweitern, ist aber schon halbvoll durch Samsungs Touchwiz und Apps.
3. Der Snapdragon 600 liefert immense Performance, wird aber heftig durch Touchwiz und die zahlreichen Features wie die Smart Funktionen, Gesten usw. beansprucht, was in kleinen Aussetzern resultiert.
4. Das S4 fühlt sich stabiler an als das S3, ist Berichten zufolge aber weniger stabil.
5. Die Software Features hören sich in der Theorie gut an, funktionieren in der Praxis aber nur teilweise oder gar nicht, bzw. nur in bestimmten Anwendungen.
6. Die Kamera schießt klasse Fotos, das Display ist draußen im Sonnenlicht aber schwer zu sehen.
7. Das Display ist scharf und schick, die Auto-Helligkeit ist aber meist zu dunkel.
8. Die neuste Android Version ist installiert, wird durch Touchwiz aber völlig zunichte gemacht. Außerdem ist und bleibt Touchwiz hässlich.
10. Das Gehäuse wird auf der Rückseite in Höhe der Kamera, aber sogar auf der Vorderseite sehr heiß bei mittelmäßiger Nutzung.

Das sind einige der Pro und Kontra Punkte, die mir aufgefallen sind. Einiges davon ist sicher subjektiv, dennoch bleiben gewisse Probleme, über die ich nicht hinweg sehen kann. Ich bin mir aber sicher, dass das Galaxy S4 wie das S3 und mehr noch ein Erfolg werden und sich enorm gut verkaufen wird. Ob das Smartphone es verdient hat? Was meint ihr? Ich bin wie die Pro und Kontra Liste zeigt hin- und hergerissen und tendiere eher zum HTC One.
Meiner Meinung nach hat sich Samsung etwas zu sehr auf seinen Lorbeeren ausgeruht und zu wenig neues entwickelt, abgesehen von den unausgereiften Software-Features.

Das Samsung Galaxy S4 bekommt in der Review-Wertung 9/10 Punkten.

2013-05-07 14.40.57

Bilder: smartnweb


Schreibe einen Kommentar